Kundenmagazin Horizons 2026
Resilienz: Schlüssel zum Erfolg im heutigen Automobilsektor
Angesichts grösserer Unsicherheit und Unbeständigkeit auf dem Markt ist es wichtiger denn je, wie wir auf Veränderungen reagieren.
Weder die Wertschöpfung für Kunden noch neue Chancen in der Automobilproduktion müssen unter schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen leiden. Feintool steigert die Produktion in Schlüsselmärkten, indem wir mehr Aufträge von Automobilkunden gewinnen. Die jüngste Erweiterung unseres Werks in Nashville, Tennessee, ist ein direkter Ausdruck des Erfolgs dieser Bemühungen. Auf dem heutigen Automobilmarkt lässt sich das Geschäft nur steigern, indem man Marktanteile ausbaut, und unter den aktuellen Marktbedingungen lassen sich Marktanteile nur mit einer Betriebsstrategie ausbauen, die auf Resilienz setzt. Wir sind bereits heute auf Resilienz fokussiert, die ein entscheidender Faktor für unseren künftigen Erfolg sein wird. Resilienz bedeutet mehr als nur Entschlossenheit oder Belastbarkeit. Resilienz ist die Fähigkeit, plötzlichen oder disruptiven Veränderungen standzuhalten oder sich schnell von ihnen zu erholen. Das Konzept beschränkt sich bei Weitem nicht auf die Produktion, denn die natürliche Welt basiert auf Resilienz . Angesichts der dramatischen Umgestaltung des Automobilmarktes und der damit verbundenen Unsicherheit ist Resilienz für uns eindeutig der richtige Weg.
Antriebsvielfalt macht Planung schwieriger
Diese Unsicherheit in der Automobilindustrie ist das Ergebnis technologischen Fortschritts. Bis vor Kurzem bestanden unsere Dienstleistungen für die Automobilindustrie fast ausschliesslich darin, die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren zu decken. Inzwischen haben sich auch batteriebetriebene und hybridelektrische Fahrzeuge auf dem Markt etabliert und alle grossen Hersteller bieten Fahrzeuge dieser drei Kategorien an.
Das Problem ist allerdings, dass die Einführung der neueren Fahrzeugtypen noch in einem so frühen Stadium ist, dass Automobilhersteller nicht abschätzen können, wie viele dieser Fahrzeuge sie letztendlich verkaufen werden. Sie wissen nicht, auf welchen Mix sie sich einstellen sollen. Erschwerend kommt hinzu, dass die staatlichen Anreize für Elektrofahrzeuge unbeständig und zum Teil auch nur kurzlebig sind. So haben mehrere nationale Regierungen Kaufanreize für Elektrofahrzeuge eingestellt oder abgebaut – fast ohne Vorankündigung oder Übergangsregelung. Daher können Automobilhersteller bestenfalls ihre gesamten Verkaufszahlen prognostizieren, nicht aber mit Sicherheit vorhersagen, welchen Anteil die verschiedenen Antriebssysteme an dieser Gesamtnachfrage haben werden. Da diese neueren Fahrzeuge weiterentwickelt werden, ihre Akzeptanz noch im Fluss ist und weitere Antriebssysteme, wie beispielsweise wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, auf den Markt kommen könnten, gehen wir nicht davon aus, dass sich dieses Umfeld stabilisieren wird.
Auch wir sind als Zulieferer von Automobilkomponenten, insbesondere von Antriebsteilen, von dieser Unsicherheit betroffen. Dies zeigt sich in Form von Geschäftsvereinbarungen, die wir noch vor drei Jahren nicht erwartet hätten. Heute kann es passieren, dass ein Hersteller uns den Zuschlag für die Fertigung eines bestimmten Teils oder einer Teilefamilie erteilt, wir aber keine verlässlichen oder verwertbaren Informationen darüber erhalten, wie viele Teile wir voraussichtlich her-stellen sollen. Trotz dieser Ungewissheit können wir nach wie vor erfolgreich arbeiten, allerdings wählen wir heute andere Wege als früher.
Resilienz erfordert global qualifizierte Arbeitskräfte
Regionale Autonomie ist ein Merkmal eines resilienten globalen Unternehmens. Feintool setzt auf einen regional basierten Ansatz: Das Unternehmen verfügt über 18 Werke in drei wichtigen Weltregionen und exportiert nur wenig zwischen diesen Regionen.
Diese Autonomie bedeutet jedoch keine Trennung in Bezug auf Kultur, bewährte Praktiken oder Kompetenzen. Ein resilientes globales Unternehmen erfordert eine resiliente Belegschaft, die weltweit auf demselben Niveau qualifiziert ist.
Feintool hat schon immer Wert darauf gelegt, die eigene Ausbildung zu beaufsichtigen. Das Unternehmen unterhält seit fast 40 Jahren ein starkes Ausbildungsprogramm. In einem Organisationssystem, in dem regionale Werke ihre jeweiligen Regionen bedienen, bedeutet dies, dass Investitionen in die Ausbildung in jeder Region getätigt werden müssen, in der wir aktiv sind. Das Foto zeigt ein Beispiel für den internationalen Kompetenzaustausch in Aktion.
Agile Kapitalanlagen
Dieselbe Ungewissheit erschwert auch Entscheidungen über Investitionsgüter. Wenn sich in der Vergangenheit aus einem Kundenauftrag ergab, dass wir drei weitere Pressen benötigen würden, haben wir in diese Maschinen investiert, um die entsprechenden Kapazitäten zu schaffen. Selbst wenn sich der ursprüngliche Auftrag änderte, konnten wir die Kapazitäten stets für einen anderen vergleichbaren Auftrag nutzen. Wenn wir heute hingegen aufgrund eines Auftrags einen potenziellen Bedarf an drei Pressen erwarten, besteht grosse Unsicherheit hinsichtlich des Auftrags-volumens, das diesen Bedarf auslöst. Darüber hinaus sollen wir möglicherweise so viele verschie-dene Arten von Teilen herstellen, dass umsichtige Resilienz die einzige sinnvolle Strategie ist. Wir erweitern unseren Maschinenpark schrittweise, aber agil und genau nach Bedarf. Wir warten auf den richtigen Moment, um schnell zu handeln – entweder durch eine Investition in zusätzliche Kapazitäten oder durch die Entscheidung gegen eine bereits in Betracht gezogene Investition.
Diese Agilität ist eine neue Anforderung des Marktes, von der unsere Kunden jedoch direkt profitieren. Auch sie sind mit einem dynamischen wirtschaftlichen Umfeld konfrontiert. Unsere Fähigkeit, uns schnell und flexibel anzupassen – sogar innerhalb der verschiedenen Regionen, in denen wir tätig sind –, schafft grössere langfristige Stabilität und eine bessere Unterstützung unserer Kunden. Zugleich können wir so auch bei fluktuierender Nachfrage nach Teilen weiterhin termingerecht liefern.
Resilience Demands Global Skilled Workforce
Regional autonomy is one characteristic of a resilient global company. Feintool believes in regions: The company has 18 plants within three major regions of the globe, with very little exporting between regions.
However, the autonomy does not mean separation when it comes to culture, best practices or skills. A resilient global organization demands a resilient workforce trained to the same level of excellence around the globe.
Feintool has always seen the importance of overseeing its own training. The company has maintained a strong apprenticeship program consistently for nearly 40 years. And in an organizational system in which regional plants serve their own regions, this means training investment like this has to be in every region we serve.
The photo shows an example of the international skills sharing in action. Luca Waber, who apprenticed with Feintool in Switzerland, is currently serving a one-year assignment as a tool maintenance lead at Feintool’s plant in the Czech Republic.
Luca Waber, who apprenticed with Feintool in Switzerland, is currently serving a one-year assignment as a Tool Optimization Lead at Feintool’s plant in the Czech Republic.
Über die Automobilindustrie hinaus
Unser Fokus auf Resilienz ist weit über den Automobilsektor hinaus von Bedeutung. Resilienz ist unsere Reaktion auf den technologischen Wandel in der Automobilindustrie und auf die Tatsache, dass umfangreichere Optionen für Automobilkunden zu grösserer Komplexität und Unsicherheit in der Fertigung führen. Wir werden eine ähnliche Erweiterung der Produktmöglichkeiten aufgrund technologischer Entwicklungen jedoch auch auf anderen Märkten für langlebige Güter sehen, z. B. bei Automatisierungshardware, in der Robotik, bei Haushaltsgeräten und in Datenzentren – Märkte, die wir alle bedienen. Resilienz ist nicht nur der Schlüssel zum Erfolg im Automobilsektor. Sie sollte der neue Ansatz aller Hersteller sein.
Wer hätte noch vor zehn Jahren geahnt, wie viel Auswahl und Vielfalt der heutige Automobilmarkt bieten würde? Damals bedeutete die Automobilfertigung die Herstellung von Verbrennern. Heute sind auch Hybrid- und Elektrofahrzeuge fest etabliert, aber über die Kundenpräferenzen weiss man noch relativ wenig. Daher sind Prognosen über die Produktion von Antriebssträngen sehr ungewiss.
Die unsichere Nachfrage bedeutet jedoch nicht, dass nicht in Kapazitäten investiert wird. Vielmehr müssen entsprechende Investitionsentscheidungen reaktionsschnell und entschlossen getroffen werden. Ein Beispiel: Unser Werk in Nashville erhielt kürzlich eine neue Umformpresse.
Resilienz in der Natur
Die Natur bietet eine Fülle von Beispielen für Resilienz – die Fähigkeit zu überleben, sich anzupassen und sich von plötzlichen oder extremen Störungen zu erholen.
Die mikroskopisch kleinen Bärtierchen oder Wasserbären können kurzzeitig in kochendem Wasser, bei Minusgraden, unter Strahlung und sogar im Vakuum des Weltraums überleben. Unter lebensfeindlichen Bedingungen suspendieren sie im Zustand der Kryptobiose ihren Stoffwechsel, bis die Umgebung wieder lebens-freundlich wird.
Mammutbäume können über 2.000 Jahre alt werden und überleben Waldbrände dank ihrer dicken, feuerfesten Rinde und ihres regenerativen Wachstums. Selbst stark geschädigte Bäume können aus der Basis oder den Wurzeln erneut austreiben.
Der Axolotl, eine Salamanderart, verfügt über so ausgeprägte Regenerationsfähigkeiten, dass er Gliedmassen, Teile des Herzens, der Wirbelsäule und sogar Gehirngewebe nachwachsen lassen kann.
Das Arktische Erdhörnchen kann seinen Körper während des Winterschlafs unter den Gefrierpunkt abkühlen und im Frühjahr wiederbeleben, ohne dass die Zellen Schaden nehmen. So übersteht es die monatelange Isolation in der Kälte.
Korallenriffe sind zwar empfindlich, aber auch erstaunlich widerstandsfähig. Als Reaktion auf den Klimawandel haben sich manche Korallenarten auf symbiotische Algen umgestellt, die zumindest zeitweise besser an höhere Temperaturen angepasst sind.
Diese Beispiele veranschaulichen, dass die Natur viele Ressourcen dafür aufwendet, auf Wandel zu reagieren – und nicht, sich ihm zu widersetzen. In der Natur wie in der Wirtschaft ist nicht zwangsläufig Stärke entscheidend für das Überleben, sondern Anpassungsfähigkeit.


