Kundenmagazin Horizons 2026
Optimierung trifft auf Fertigung: Q&A mit Luca Waber
“Ein einheitlich hervorragendes Niveau im Werkzeugbau zu gewährleisten, ist Teil unserer Unternehmenskultur.“
Die 18 Produktionsstätten von Feintool weltweit verfügen über verschiedene Fähigkeiten und bedienen die regionalen Märkte auf unterschiedliche Art und Weise. Ein entscheidendes Handwerk ist jedoch für alle wichtig und bildet die Grundlage ihrer gesamten Arbeit: Ein exzellenter Werkzeugbau ist für den Erfolg von Feintool und den Service für unsere Kunden unerlässlich.
Wir fördern kontinuierlich qualifizierte und talentierte Werkzeugmacher. Ein Lehrlingsprogramm für neue Werkzeugmacher ist seit fast 40 Jahren Teil von Feintools Ausbildungssystem.
Ein einheitlich hervorragendes Niveau im Werkzeugbau zu gewährleisten, ist Teil unserer Unternehmenskultur und geht mit diesem Engagement für die Förderung von individuellem Talent einher. Wir leben diesen Wert durch den Austausch von technischem und praktischem Know-how im Werkzeugbau zwischen unseren Werken.
Luca Waber ist seit acht Jahren Mitglied des Werkzeugbauteams von Feintool (einschliesslich einer vierjährigen Ausbildung), und sein aktueller Auftrag veranschaulicht diesen Wert. Zuvor war er in der Gruppe Werkzeugoptimierung in unserem Werk in Lyss in der Schweiz, seinem Heimatland, beschäftigt. Auf Wunsch von CEO Lars Reich ging Luca jedoch für ein Jahr nach Tschechien, wo er im Feintool-Werk in Most als Leiter der Werkzeugoptimierung tätig ist. Luca sollte sein wertvolles Wissen mit dem dortigen Team teilen – und genau das hat er getan. Er sagt jedoch, dass er selbst durch den Auftrag genauso viel gelernt hat.
Horizons hat Luca kürzlich bei seinem Einsatz in Tschechien besucht und ihn zu seiner Arbeit und seinen bisherigen Erfahrungen befragt.
Luca Waber wurde für ein Jahr von Lyss (Schweiz) nach Most (Tschechien) entsandt, wo er derzeit als Leiter der Werkzeugoptimierung arbeitet.
Horizons: Luca, erzähle uns bitte zunächst etwas über deinen beruflichen Werdegang und deine Ausbildung.
Luca Waber: Ich begann meine Ausbildung bei Feintool in Lyss in der Schweiz vor etwa acht Jahren. Die Ausbildung dauerte vier Jahre. In den ersten beiden Jahren konzentrierten wir uns auf Grundfertigkeiten: Fräsen, Bohren und Drehen, also das, was wir in der Schweiz als polymechanische Ausbildung bezeichnen. Dabei geht es im Wesentlichen um die Metallbearbeitung zur Herstellung von Teilen.
In den letzten beiden Jahren spezialisierte ich mich auf die Werkzeugmontage, das heißt den Zusammenbau von Feinschneidwerkzeugen, der mich faszinierte. Diese Werkzeuge reichen von einfach bis sehr komplex, und ich konnte mit den verschiedensten Typen arbeiten. Nach meiner Ausbildung blieb ich etwa sechs Monate in der Werkzeugmontage. Dann wechselte ich für etwa drei Jahre in die Abteilung Werkzeugoptimierung.
Horizons: Was war deine Aufgabe in der Optimierungsabteilung?
Luca: Dort habe ich gelernt, mit Werkzeugen an der Presse zu arbeiten. Ich wurde an großen Feinschneidpressen ausgebildet und habe gelernt, Werkzeuge für maximale Leistung zu optimieren. Nach etwa einem Jahr begann ich, zu Kunden zu reisen, um Werkzeuge einzurichten, unter anderem bei ZF in Deutschland, bei anderen Unternehmen in der Schweiz und in verschiedenen Feintool-Werken in Europa. So lernte ich viele verschiedene Betriebe kennen.
Horizons: Wie ergab sich die Gelegenheit in Tschechien?
Luca: Ende 2024 kam ich ins Werk Most, um bei der Einrichtung eines Werkzeugs zu helfen und ein anderes, das Probleme machte, zu reparieren. Wir nahmen dieses zurück in die Schweiz, optimierten es dort und brachten es anschließend zurück. Bald darauf war ich wieder in Most. Während eines dieser Besuche fragte mich CEO Lars Reich, ob ich bereit wäre, für einen längeren Einsatz hierher zu wechseln, um das Team zu unterstützen. Ich habe natürlich ja gesagt. Ich habe im April 2025 angefangen und habe einen Einjahresvertrag, der bis April läuft.
Horizons: Erzähle uns mehr über das Werk in Most. Welche Kapazitäten hat es?
Luca: Wir haben drei Feinschneidpressen: eine kleinere servomechanische XFT-Presse für kleine Teile, eine hydraulische HFA 4500 und eine größere HFA 8800 für größere Teile. Einige Werkzeuge wurden von Lyss nach Most verlagert, und die Produktion auf der großen Presse mit diesen Werkzeugen beginnt demnächst. Wir haben auch eine Doppeldiskusschleifanlage und werden eine weitere aus Lyss hinzufügen. Außerdem haben wir automatisierte Dreh- und Bohrmaschinen sowie Trommel-, Bürst- und Schleifanlagen.
„Ich lerne jeden Tag dazu“, sagt Luca. Er bringt Expertise in der Ursachenanalyse mit, während sich das Team in Most mit der Grossserienproduktion auskennt. „Jeder von uns hat seinen eigenen Ansatz, und letztendlich funktioniert es einfach“, sagt er. „Manchmal stehe ich vor einem Problem und weiss nicht sofort, wie ich es lösen soll. Aber gemeinsam mit dem Team finden wir einen Weg.“
Horizons: Welchen Beitrag leistest du für das Team in Most?
Luca: Mit meinem Hintergrund in der Werkzeugoptimierung habe ich eine andere Perspektive. Ich konzentriere mich darauf, die Ursache von Problemen zu finden und zu beheben, statt nur die Symptome zu behandeln. In der Schweiz habe ich von Kollegen gelernt, die 30 oder auch 35 Jahre Erfahrung in der Optimierung haben. Dank dieser Ausbildung habe ich gelernt, auf besondere Weise über Werkzeuge und Prozesse nachzudenken.
Hier in Most kombiniere ich meine Denkweise mit dem fundierten Wissen des lokalen Teams über die Serienproduktion. Bei der Optimierung machen wir mit einem Werkzeug maximal 10.000 Hübe oder 10.000 Teile, oft jedoch viel weniger, manchmal nur 10 oder 20 Hübe. Aber hier in Most müssen wir mit einem Werkzeug problemlos 60.000 Hübe am Stück oder sogar mehr schaffen. Der Ansatz ist anders, also passen wir uns an und finden gemeinsam die besten Lösungen.
Horizons: Könntest du uns ein Beispiel deiner aktuellen Aufgaben geben?
Luca: Diese Woche habe ich eine Wissensdatenbank zur Werkzeuginstandhaltung erstellt, sowohl digital als auch in Papierform, damit das Team zu jedem Werkzeug komplette und hilfreiche Informationen hat. Außerdem hatten wir ein Werkzeug, das große Probleme verursachte. Wir haben sowohl aus meiner Sicht als auch aus der Sicht des Teams nach Lösungen gesucht und uns schließlich auf eine komplette Überholung einschließlich Außenschleifen geeinigt.
Meine Aufgabe besteht oft darin, bei auftretenden Problemen da zu sein, gemeinsam mit dem Team die Ursache zu analysieren und zu entscheiden, wie sich das Problem künftig verhindern lässt. Es geht darum, mein Wissen weiterzugeben, vom Team zu lernen und immer gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.
Horizons: Wie findest du das Leben in Tschechien außerhalb der Arbeit im Vergleich zur Schweiz?
Luca: Was mir wirklich auffällt, sind die Menschen. Sie sind offen und freundlich und knüpfen auch am Arbeitsplatz tiefe Verbindungen. Wenn du einmal akzeptiert bist, dann ist es, als würdest du zur Familie gehören.
Horizons: Was bedeutet dieser Auftrag für dich persönlich?
Luca: Ich mag die Arbeit hier sehr. Ich lerne jeden Tag dazu. Manchmal stehe ich vor einem Problem und weiß nicht sofort, wie ich es lösen soll. Aber gemeinsam mit dem Team finden wir einen Weg. Jeder von uns hat seinen eigenen Ansatz, und letztendlich funktioniert es einfach. Jeden Tag sehe ich etwas Neues, und das macht diese Erfahrung so wertvoll.


